Narben im Zusammenleben hinterlassen

Um der Opfer der Reichspogromnacht vor genau 80 Jahren zu gedenken, lud der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln zum Konzert „Gedenken. Nicht Wegschauen und Verdrängen“ ein.

(v.l.n.r.) Abraham Lehrer (Vize-Präsident des Zentralrats der Juden), Bettina Heinrichs-Müller (Stellv. Vorsitzende Diözesanrat), Elfi Scho-Antwerpes (Bürgermeisterin der Stadt Köln) und Pfr. Dr. Christian Schmitt (Pfarrvikar St. Aposteln)(Fotos: D. Könen)

Bettina Heinrichs-Müller, stellv. Vorsitzende des Diözesanrates Köln (Foto: D. Könen)

(v.l.n.r): Markus Juraschek-Eckstein und Karin Titz (Rezitatoren), Wilfried Kaets (Pianist) und Agnes Erkens (Sängerin)(Foto: D. Könen)

Überall im Dritten Reich brannten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 Synagogen. Fensterscheiben von Geschäften jüdischer Geschäftsleute wurden zertrümmert, jüdische Deutsche wurden erschlagen, erschossen oder vergewaltigt. Alleine 400 Menschen wurden in dieser Nacht ermordet oder nahmen sich aus Verzweiflung das Leben. Experten schätzen, dass weit mehr als 1.500 Jüdinnen und Juden ums Leben kamen.
 „Einzeldarstellungen von Zeitzeugen vermögen das Geschehen vor 80 Jahren bedrückender wiedergeben, als abstrakte schier unfassbare Zahlen der nationalsozialistischen Verbrechensmaschinerie“, sagte die stellvertretende Diözesanrats-Vorsitzende Bettina Heinrichs-Müller vor 100 Gästen in der Kölner Pastor-Könn-Aula.
„Und deshalb, weil mir alles so bekannt vorkommt, dass Menschen wegen ihrer Nationalität und Hautfarbe wieder gehetzt werden, ist es aus meiner Sicht mit einem Gedenken an die vielen, vor allem jüdischen Opfer nicht alleine getan. Eine glaubwürdige Erinnerungskultur setzt das Engagement jedes einzelnen und jeder Einzelnen für die Werte der Demokratie und Wachsamkeit gegenüber ihren Feinden und Gegnern voraus“, ermutigte Heinrichs-Müller die Anwesenden.

Die musikalischen Beiträge, gestaltet durch Sängerin Agnes Erkens und Pianist Wilfried Kaets, schafften bei der Gedenkfeier eine ganz außerordentliche Atmosphäre. Sie unterstützten zudem das Hineinversetzen in das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Lieder des Leides und der Hoffnung brachten die beiden Künstler zum Erklingen. Die Zeitzeugenberichte, gelesen von Karin Titz und Markus Juraschek-Eckstein, gingen den anwesenden Gästen durch Mark und Bein und werden sicherlich weiterhin Gesprächsthema bleiben.
„Obwohl man heute vielerorts auf den ersten Blick nichts von den Folgen dieses Unrechts bemerkt, so ist es allgegenwärtig“, sagte Elfi Scho-Antwerpes, die als Bürgermeisterin die Stadt Köln vertrat. „Der Holocaust und der zweite Weltkrieg haben tiefe Narben im Zusammenleben der Menschen in Deutschland und in ganz Europa hinterlassen, die bis heute nicht ganz verheilt sind und wohl auch nie verheilt sein werden“, sagte die Kölner Bürgermeisterin.  

Die Wichtigkeit der Erinnerungskultur brachte Schirmherr und Vize-Präsident des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, auf den Punkt: „Für Historiker mag dies (80 Jahre) kein langer Zeitraum sein, für junge Menschen ist dies sehr weit weg. Und immer weniger Menschen sind unter uns, die aus eigenem Erleben von den NS-Verbrechen berichten können. Daher ist es wichtig, dass wir Jahr für Jahr an die damaligen Ereignisse erinnern und der Opfer gedenken“.    

Das Friedensgebet, welches Stadtsuperintendent Rolf Domning und Stadtdechant Robert Kleine vortrugen ermutigte ebenso immer wieder für die Menschlichkeit untereinander einzustehen und Nationalitäten und Religionen zu achten.  

Die sogenannte Kristallnacht (Reichspogromnacht) markierte 1938 den Übergang der Mordpolitik der Nationalsozialisten. Am Ende stand die physische Vernichtung von mehr als 6 Millionen jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger in ganz Europa. „Die Erinnerung an den 9. November 1938 mahnt uns, nicht wegzuschauen und zu verdrängen, sondern unsere Werte zu verteidigen und mutig für unsere Demokratie einzustehen“, so Abraham Lehrer.

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