Esther Bejarano und die Microphon Mafia in Köln

Dass sie noch lebt, verdankt Esther Bejarano der Musik. Denn Auschwitz hat die 94-Jährige nur überlebt, weil sie Akkordeon spielen konnte. Noch heute kämpft die Jüdin in einer Rap-Band gegen Rassismus an – und gegen das Vergessen.

Esther Bejarano im Irmgardis-Gymnasium in Köln am 23.01.2019 (Foto: STE)

Esther Bejarano und die Microphone Mafia im Irmgardis-Gymnasium in Köln am 23.01.2019 (Foto: STE)

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Am Ende singt Esther Bejarano noch einmal "ihr" Lied; den Schlager "Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami". Er war im Nazi-Deutschland der 1940er Jahre gerade ein Hit. Ein Glück, dass die nur knapp ein Meter fünfzig große Frau diese Melodie nicht nur singen, sondern sogar auf dem Akkordeon spielen konnte. Denn eigentlich hatte die damals 19-Jährige dieses Instrument nie zuvor in der Hand gehabt. Klavierspielen – ja, das konnte sie. Aber ein Klavier gab es nicht im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Nur ein Akkordeon.

Also nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und bestand die Prüfung zur Aufnahme in das neu gegründete Mädchenorchester des Vernichtungslagers. Auf Befehl der SS sollten junge Musikerinnen gefunden werden, die später die höhnische Begleitmusik liefern mussten, wenn neue Kolonnen von Judentransporten im Lager ankamen oder die Menschen mit Marschklängen in die Gaskammern geschickt wurden. Esther hatte es geschafft. Sie war nun eine von denen, die als Orchestermitglied für sich persönlich eine "Galgenfrist", so nennt sie das, aushandeln konnte.

"Nie wieder Krieg"

"Wie prahlten die SS-Schergen mit diesem Orchester. Vor den Nazi-Bonzen spielten sie sich damit auf, während sie die vielen verzweifelten und großteils geschwächten oder kranken und alten Menschen zu schwerster körperlicher Arbeit abkommandierten, sie quälten und folterten", sagt Esther Bejarano mit fester Stimme, als sie aus ihrem Buch vorliest. Denn ihre Erlebnisse von damals hat die Holocaust-Überlebende, deren gesamte Familie von den Nazis ermordet wurde, in ihrem Buch "Erinnerungen" zusammengestellt. "Nie wieder Krieg" lautet ihr Appell an alle nachfolgenden Generationen, den sie – auch ohne ihn auszusprechen – in jedem ihrer einfach formulierten Sätze mitliefert.

Im Erzbischöflichen Irmgardis-Gymnasium, in dem auf Initiative des Diözesanrates diese Lesung stattfindet, trifft Bejarano mit ihrer Botschaft auf viel Zustimmung. Aufmerksam hören der alten Frau knapp 500, zum Großteil junge Menschen gebannt zu. Ihre Geschichte dürfe sich niemals wiederholen, hatte Schulleiterin Jacqueline Friker zuvor bei ihrer Begrüßung gesagt und betont, dass es etwas ganz Besonderes sei, im Jahr 2019 noch einer Zeitzeugin der nationalsozialistischen Gräueltaten zu begegnen... (Auszug aus einerm Artikel von Beatrice Tomasetti (Domradio vom 24.01.2019))

Zum ganzen Text von Beatrice Tomasetti geht es hier

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